Das WM-2006-Wir-Gefühl, so selbstverständlich wie die Frisur-Kontinuität Günther Netzers

DeutschlandfahneJogis Truppe überzeugte mich am Sonntagabend bei dem Spiel gegen Polen! Klar, der Anfang der zweiten Halbzeit führte bei dem einen oder anderen Zuschauer am heimischen Grill zu Schluckbeschwerden, und der Griff verkrampfte sich beim Blick auf das TV-Gerät ab und an stärker um die Bierflasche.

Doch kann man es auch von der positiven Seite sehen, denn so war der dramaturgische Bogen perfekt gesetzt; Nach einer 20-Minütigen Zitterpartie ging ein Erleichterungsschrei durch die Straßen als Podolski kommentarlos dem polnischen Keeper den Ball zum 2:0 ins Tor klatschte.

Und noch während der Ball im Netz zappelte war es klar: Man erkannte nun, warum man sich am Vortag reflexartig eine Autofahne gekauft hatte oder plötzlich das Trikot aus dem Schrank wühlte. Das WM-2006-Wir-Gefühl war mit einer Selbstverständlichkeit wie die Frisur-Kontinuität Günther Netzers wieder da. Es kommt einem so vor als ob alle zwei Jahre lang auf diesen Moment gewartet hatten. Wie aus dem Nichts erscheinen Fahnen an den Fenstern, Türen, Motorhauben, Fahrrädern, Hunden, usw.!

Arbeitskolleginnen und -kollegen schätzen die Ergebnisse bei Tippspielen, es wird gefachsimpelt, kleine und große Kinder kleben Panini-Bilder ein und das StudiVZ-Foto wird schwarzrotgold gefärbt. Und ein Massen-Phänomen ist auch wieder da: „Public Viewing“. Nirgendwo anders war die Euphorie deutlicher zu erkennen als auf diesen Plätzen mit riesiger Leinwand, Wüstchenständen und mitfiebernden Menschen.

Heute Abend geht es mit viel Zuversicht gegen Kroatien, die zwar gegen Österreich gewannen, aber besonders in der zweiten Halbzeit in etwa so standfest waren wie die italienischen Stürmer bei leichtem Körperkontakt. Mein Tipp: ein erneutes 2:0 für Deutschland.

Ob es nun einen ähnlichen Jubelsommer gibt wie ´06 weiß ich nicht. Trotzdem, ich finde es toll! Und so möchte ich mit den gelassenen Worten von Lukas Podolski schließen:

Jetzt spielen wir in Österreich und der Schweiz. Das ist halt ein paar Kilometer weiter.

Christian Fischer

Dieser Artikel wurde am 12 Juni 2008 in der Kategorie Events veröffentlicht.


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